Messer schleifen. von Leonhard Ullrich

Tormek

Tormek T-7 mit Zubehör BgB

Die Tormek ist primär darauf ausgelegt, Holzbearbeitungswerkzeuge zu schärfen und abzuziehen. Allerdings lassen sich mit ihr auch Messer schärfen, auch wenn das nicht ihr Spezialgebiet ist. Besonders gut ist sie, wenn es darum geht, schonend viel Material abzutragen, bei Ausbrüchen, etc.

Durch ihre langsam im Wasserbad laufende Schleifscheibe bleibt die Schneide beim Schleifen kühl und kann nicht ausglühen.

Welche Größe, T-4 oder T-8?

Die Tormek wird in zwei Baugrößen angeboten, einmal als

  • Tormek T-4 Tormek T-4(Dictum oder Amazon) mit 200 mm Scheibendurchmesser und 40 mm Scheibenbreite und einmal als
  • Tormek T-8 Tormek T-7 mit Zubehör 1zu1(Dictum oder Amazon) mit 250 mm Scheibendurchmesser und 50 mm Scheibenbreite, alternativ das Vorgängermodell T-7, von dem noch Restbestände eine Zeit lang über Amazon für ca. 100 Euro weniger abverkauft werden. Bis auf kleine Gehäuseunterschiede und die stufenlos verstellbare Wasserschale unterscheiden sich die Modelle nicht wirklich viel.

Die 50 mm mehr im Schleifscheibendurchmesser erzeugen einen minimal stabileren Hohlschliff. Zusätzlich kann die mit 50 mm Breite 10 mm breitere Schleifscheibe etwas präziser die 48 mm breiten Standardhobelklingen schärfen. Ansonsten klingt es erstmal nicht nach viel Unterschied, aber die T-8 ist vom Motor her für den gewerblichen Dauerbetrieb ausgelegt, wohingegen die T-4 für den gelegentlichen Nutzer gedacht ist. Zudem gibt es bei dem aktuellen Modell der T-8 noch einen Abtropfschutz dazu, der verhindert, dass bei langen Klingen das Wasser an der Wasserschale vorbei auf den Tisch tropfen kann. Das Zubehör passt auf beide Maschinen.

Ein weiterer Unterschied liegt in den Sonderzubehörschleifscheiben. Für die Tormek T4 gibt es weniger spezielle Schleifscheibentypen als für die Tormek T8.

Beim Kauf der Tormek bei Dictum erhält man einen kostenlosen 7-stündigen Schärfkurs mit dazu, bei dem man lernt, was man so alles auf der Tormek schärfen kann, der ohne die Tormek 85 Euro kosten würde. Macht aber nur Sinn, wenn man in der Nähe der Schulungsorte wohnt.

Wer also vor hat das ganze auf Dauer professioneller anzugehen, der sollte eher zur T-8 greifen, wer nur ein paar Messer, Scheren und Stemm- und Hobeleisen schärfen will, der sollte auch mit der T-4 zurecht kommen.

Schleifscheiben für die T8 und T7

  • Naniwa Schruppscheibe (Dictum), 80'er Körnung, nur wenn richtig viel Material abgetragen werden muss sinnvoll, ich ziehe die SG250 mit 220'er Körnung vor
  • Tormek SB-250 Siliziumkarbidscheibe (Dictum oder Amazon), 220'er Korn für sehr harte Stähle (z.B. HSS Drechselstähle, aber auch manche "Karbidmonster"), nur relevant, wenn die SG-250 bei extremen Stählen zu wenig Material abträgt
  • Tormek SG-250 Standardscheibe (Dictum oder Amazon), 220'er Korn, gute Allroundscheibe mit ordentlichem Abtrag und in Kombination mit der Lederscheibe einer guten Endfeinheit für eine schöne Gebrauchsschärfe. Ein gutes Gespann, ist bei jeder Tormek dabei.
  • Tormek SJ-250 (Dictum oder Amazon) japanische Wassersteinscheibe, Körnung 4000 JIS, sehr fein, hinterlässt fast eine polierte Schneide.  Nicht gegen die Schneide schleifen, da der Stein recht weich gebunden ist und man sonst es tiefe Kratzer in den Stein macht. Bei Anschaffung dieses Steins würde ich auch den weiter unten genannten Steinabrichter besorgen, um ihn eben zu halten.
  • Optigrind (Dictum), Stahlscheibe, die mit cubischem Bornitrid beschichtet ist, auf dieser Scheibe wird trocken geschliffen. Wenn Ihr diese Scheibe auf der Tormek nutzen wollt, braucht Ihr noch einen Adapter, um die 32 mm Bohrung auf 12 mm für die Tormek Achse zu reduzieren) Es gibt die Scheibe in zwei Feinheiten, die aber noch recht eng beieinander liegen. Habe sie selbst noch nicht ausprobiert, daher die Infos unter Vorbehalt.

Schleifscheiben für die T4

  • Tormek SG-200 Standardscheibe (Dictum oder Amazon), 220'er Korn, gute Allroundscheibe mit ordentlich Abtrag und in Kombination mit der Lederscheibe ein gutes Gespann, ist bei jeder Tormek dabei
  • japanischer Wasserstein 1000'er Körnung (Dictum)
  • Tormek SJ-200 (Dictum oder Amazon) japanische Wassersteinscheibe, Körnung 4000 JIS, sehr fein, hinterlässt fast eine polierte Schneide.  Nicht gegen die Schneide schleifen, da recht weich gebunden, sonst gibt es tiefe Kratzer.

Wenn das Messerschärfen im Vordergrund steht, reicht die T4 aus, bei speziellen Stählen für HSS Drechseleisen, würde ich eher zur T8 greifen.

Feinheit des Schliffs

Die Standardscheibe hat eine 220'er Körnung und packt damit trotz der langsamen Drehzahl immer noch ordentlich zu bei den gehärteten Stählen. Mit dem Dressierstein SP-650 Tormek Dressierstein SP-650 (Dictum oder Amazon), der der Maschine aber schon beiliegt, kann die effektive Feinheit der Schleifscheibe und damit das Schliffbild temporär verändert werden.

Drückt man die grobe Seite des Dressiersteins auf die laufende Scheibe, so öffnet der Dressierstein zugesetzte Poren und bricht Bindemittel zwischen den Schleifpartikeln weg. Dadurch wirkt die Schleifscheibe offenporiger und greift besser und grober zu. Macht man das gleiche mit der feineren Seite des Dressiersteins, so wird die Oberflächenstruktur der Schleifscheibe geglättet und das Schliffbild, das sie erzeugt wird etwas feiner.

Da hierbei aber immer Schleifsteinmaterial verbraucht wird, schärfe ich zunächst alle zu schärfenden Messer und Holzbearbeitungswerkzeuge grob vor und dressiere anschließend auf "Feinschliff". So geschliffen und anschließend auf der Lederscheibe abgezogen reicht es locker für Unterarmrasurschärfe.

Abziehen des Grates

Das Abziehen des Grates erfolgt auf der Lederscheibe, die vorher mit der Tormek Abziehpaste Tormek Polierpaste behandelt wurde. Nach ca. 30 bis 50 Messern behandle ich die Lederscheibe mit der Polierpaste nach. Der Grat wird durch die Lederscheibe recht gut entfernt und die Schneide erreicht trotz des groben Vorschliffs sehr gute Feinheiten.

Messerschärfen auf der Tormek

Zum Schärfen von Messern gibt es diese beiden Halter, der kleine Halter  für kleinere Messer und der große für längere und biegsame Messer, die mehr unterstützung brauchen. In diese Halter werden die Messer ähnlich wie bei dem Lanskyset eingespannt und dann an der rotierendem Schleifscheibe geschliffen. Tormek empfiehlt gegen die Schnittrichtung zu schleifen, ich schleife jedoch lieber mit der Schneide, vor allen Dingen bei weicheren Steinen wie dem SJ-250. Dadurch nutzt sich die Schleifscheibe nicht so schnell ab und der Schliff ist ein wenig schonender für die Klinge. Außerdem entsteht so etwas deutlicher Grat, so dass ich früher erkennen kann, wenn ich genug Material entfernt habe.

Beim Messerschärfen nutze ich inzwischen den Halter kaum noch, sondern schleife meistens per Hand. Dabei spanne ich den Bügel horizontal ein und nutze ihn als Handunterstützung, um die Handballen beim Schärfen abzustützen.

Wenn man es öfter mit Ausbrüchen an Schneiden zu tun hat, kann die Tormek recht schnell die Klingen wieder auf Vordermann bringen. Anschließend gehe ich gerne nochmal zum Verfeinern der Schneidkante mit einem Missarka ultraZische Missarka ultra oder einem blauen belgischen Brockenblauer belgischer Brocken über die durch die Tormek doch recht grob angeschliffene Schneide, bevor ich auf den Lederriemen zur Gratentfernung übergehe.

sinnvolles Zubehör für die Tormek

  • Schleifscheibenabrichter TT-50 Tormek TT-50(Dictum oder Amazon), hiermit könnt Ihr Schleifscheiben, in die Ihr eine Kuhle geschliffen habt oder die unrund laufen, wieder begradigen. Ein Diamant in einer Halter, die mit einer Gewindestange an dem laufenden Stein linear vorbei gezogen wird, trägt dabei Material ab. Das Abrichten funktioniert mit dem Gerät ziemlich gut. Durch den verbauten Diamanten in dem Abrichter ist es allerdings recht teuer.

 


  • Scherenschleifvorrichtung SVX-150 Tormek SVX-150 (Dictum oder Amazon), hiermit könnt Ihr Eure Scheren gut nachschärfen. Achtet darauf, dass Ihr beim Einstellen des Anlagebleches mit der Eddinmethode den alten Schleifwinkel bestimmt und nach Möglichkeit nachschleift
    Im nachfolgenden Video von Tormek wird die Anwendung der Scherenschleifvorrichtung gut dargestellt.

  • Messerschärfvorrichtung SVM-45 Tormek SVM-45(Dictum oder Amazon) für kurze Messer
  • SVM-140 Tormek SVM-140 (Dictum oder Amazon) für längere Messer.
    Diese beiden Schärfvorrichtungen sind nicht mein Favoriten, da man damit ähnlich wie bei Lansky und Co. die feinen Schneidenwinkel besonders an kleineren Messern, wie Schweizermessern nicht so gut schleifen kann, da dann der Halter auf dem Stein aufliegt und mitgeschliffen wird. Den Umgang mit beiden Halterungen können Sie in den beiden nachfolgenden Videos von Tormek sehen.

  • Wer noch eine alte Tormek ohne die Horizontalhaltermöglichkeit hat, für den ist der Anbausatz XB-100 Tormek XB-100 (Dictum oder Amazon) eine Möglichkeit. Mit diesem lassen sich alte Tormeks so umrüsten, dass der Auflagearm horizontal eingesteckt werden kann, wie ich es zum Stützen der Hand beim freihändigen Schärfen von Messern bevorzuge.
    Aber wie gesagt nur kaufen, wenn man schon eine alte Tormek hat und nur die vertikale Einspannmöglichkeit gegeben ist.

Allgemein ist zu der Tormek zu sagen, dass sie eine durchdachte Schärfeinrichtung ist, mit guter aber stahlschonender Abtragsleistung. Ideal um Scharten rauszuschleifen, etc.

Vorteile

  • schneller Materialabtrag
  • gutes und reproduzierbares Schleifergebnis bei Holzbearbeitungswerkzeugen
  • sehr gute Verarbeitung
  • hochwertige Schleifscheiben
  • durchdachtes und funktionierendes Zubehör für etliche Anwendungsfälle

Nachteile

  • Was ich bei der Tormek, aber auch den meisten anderen Schleifern in der Bauart mit Nassschleifscheibe und Lederscheibe, schade finde, ist dass die Lederscheibe nicht durch ein Winkelgetriebe um 90° abgewinkelt angebracht ist. Dadurch würde man beim Abziehen von langen Messern nicht immer ins Gehege mit der Schleifscheibe kommen.
  • teuer in der Anschaffung und im Zubehör

Für wen ist die Tormek also sinnvoll?

Die Tormek ist meiner Ansicht nach für denjenigen interessant, der neben Messern auch Holzbearbeitungswerkzeuge wie Hobelklingen, Stemmeisen, Drechseleisen und Scheren schärfen will.

Wenn es "nur" um das Schärfen von Messern geht, ist sie meiner Ansicht nach für Leute, die darauf freihand Schärfen wollen interessant, z.B. für Jäger, die nach dem Zerwirken einer Wildsau ihre Fleischmesser schnell wieder auf eine brauchbare Schärfe bringen wollen.

Alternativen

Es gibt inzwischen etliche Nassschleifmaschinen als Nachbauten zur Tormek, die oftmals mit schlechteren Schleifscheiben, schlechteren Lagerungen der Scheibe (Kunststoffgleitlager anstatt Kugellager wie bei Tormek), einfachen Kunststoffgehäusen, rostenden Wellen, etc. daher kommen. Die, die ich mir bisher angeschaut habe, konnten mich da nicht dauerhaft überzeugen. Daher rate ich lieber zur originalen Tormek.

Steckbrief

erreichbare SchärfeSchärfdauerBedienungmein Urteil
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