Messer schleifen. von Leonhard Ullrich

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Über mich

Herkunft

Aufgewachsen in Leverkusen, einer unheimlich "schönen" Stadt, am Rhein, deren Existenz maßgeblich von dem größten Arbeitgeber dort, dem Chemieunternehmen BAYER, bestimmt wird. Genaugenommen gibt es Leverkusen auch nur da es BAYER gibt, ansonsten hätte Köln wohl nur ein paar Gemeinden mehr. Dort durfte ich meine Kindheit und Jugend in der Waldsiedlung verbringen. Auch wenn man es nicht vermutet, kann man dort einiges Grünes finden. Der Wald war der Spielplatz meiner Jugend. Viel Zeit habe ich dort zusammen mit meinen Freunden verbracht und den Nutzen von Messern in dieser Umgebung kennengelernt. Mein erstes Messer war ein Werbgeschenk, das mein Vater bekommen hatte und an mich weitergegeben hat. Für mich war es das tollste Messer, was ich mir vorstellen konnte, ich muss damals etwa 8 Jahre alt gewesen sein. Tja, so bin ich zum Messer gekommen, das ich heute nicht mehr missen möchte.

Schärfanfänge

Doch werden auch die schönsten Messer einmal stumpf und so habe ich natürlich mich ans Schärfen begeben. Auf dem Wochenmarkt in Schlehbusch war am Samstag immer eine Dame mit einem Schneidwarenstand (viele Grüße an dieser Stelle), vor dem ich dann ewig herumlungerte als Kind und mir all die tollen Sachen anschaute. Irgendwann hatte ich mir dann von meinem Taschengeld (es waren 50 Pfennig in der Woche) das Geld für einen Universalschärfer zusammengespart (Ich glaube, er hatte damals 5 DM gekostet, was für mich als Kind sehr viel Geld war), den ich mir dann gekauft hatte.

Dieser Universalschärfer gemacht, einem Blechteil, das auf der einen Seite einen Glasschneider und auf der anderen Seite zwei hochgehärtete Metallplatten hatten, die ein V bildeten, durch das man das Messer gezogen hat zum Schärfen. Ein Vorgänger der heutigen Hartmetallschärfer. Als Kind hat mir die damit erreichte Schärfe gereicht. Zwar ist mir aufgefallen, dass sich die Schneidengeometrie nach und nach ein wenig änderte, die Klinge wurde ein wenig hakenförmig, aber das störte mich als Kind kaum. Über einen Grat und solche Dinge machte ich mir damals keine Gedanken.

Mein Vater hatte von meinem Großvater ein Werkzeugschränkchen in der Garage gehabt, versteckt hinter Fliesen, Baumaterial und Fahrrädern hatte ich das Schränkchen kaum wahrgenommen. Eines Tages aber, als in der Garage aufgeräumt wurde, habe ich die Kiste entdeckt. Damals werde ich wohl 12 Jahre oder so gewesen sein. Da mein Großvater Tischler war, waren in der Kiste ein paar Stemmeisen, Hobel, aber auch ein alter Schleifstein, in einer Pappschachtel, auf die zwei Medallien von irgendwelchen Messen zwischen den Jahren 1890 und 1910 aufgedruckt waren. Natürlich musste ich den Stein sofort ausprobieren. Da ich meinen Großvater nie kennengelernt hatte, konnte er mir leider nichts über das Messerschärfen beibringen. Also bin ich im Blindflug ans Schärfen herangegangen. Und siehe da wie durch ein Wunder, beim ersten Mal Schärfen war das Messer scharf geworden. Ich kann es mir selbst auch nicht erklären, vielleicht war es ähnlich wie beim Bogenschießen, wenn man zum ersten Mal Bogenschießt, dann schießt man intuitiv besser, als wenn man erklärt bekommt, was man alles falsch machen kann. Ich hatte also gemerkt, dass ich auf diesem Stein ein Messer für meine damaligen Begriffe scharf schleifen konnte.

Als ich dann ein paar Tage später ein anderes Messer schärfen wollte, hat es überhaupt nicht geklappt, das Messer wurde immer stumpfer. Da hatte mich der Ehrgeiz gepackt. Es konnte doch nicht sein, dass ich ein Messer auf diesem Stein nicht scharf bekam, obwohl es schonmal funktioniert hatte. Ich begann also zu üben und unregelmäßig alles mögliche auszuprobieren in den nächsten Jahren, um herauszufinden, wie das Schärfen am besten klappt. Nach und nach wurden die Ergebnisse immer besser, aber noch weit davon entfernt, was ich heute als scharf bezeichnen würde. Bis zum Studium hatten sich so der eine oder andere Schleifstein aus Baumärkten, aus dem Werkzeughandel und natürlich von der netten Dame vom Wochenmarkt dazugesellt und die Schärfergebnisse wurden immer besser.

Das Aha Erlebnis hatte ich dann als ich auf einem alten Gürtel, den ich mit Polierpaste eingerieben hatte, meine Messer nach dem Schärfen abgezogen hatte, ähnlich wie die Friseure Ihre Rasiermesser. Damals hatte ich wohl zum ersten Mal Messer mit wenig Grat erzeugt. Im Studium kam dann das Internet auf, jeder Student bekam ein wenig Webspace und konnte dort eine Homepage machen. Natürlich habe ich das auch gleich gemacht. Als ich dann nach möglichen Themen suchte, dachte ich mir, warum nicht eine Webseite über das Messerschärfen, die den Lesern die ganzen Fehltritte von mir erspart und Ihnen ziegt, wie sie relativ schnell zu guten Schleifergebnissen kommen. Tja, genau so ist diese Seite entstanden. Durch Mails von Lesern bin ich immer wieder mit Fragen konfrontiert worden, auf die ich Antworten gesucht habe und diese dann in die Homepage eingebunden habe. Auch Fragen zu möglichen Schleifsteinen kamen immer wieder und wenn es mein Budget hergab habe ich mir die für mich interessanten Steine gekauft und ein wenig genauer unter die Lupe genommen. So ist die Seite immer weiter gewachsen und wächst auch aktuell noch weiter.

Werdegang

Lässt man die Messer mal außen vor, begann schon recht früh das technische Interesse an allem Möglichen, was mich schlussendlich auch zu meiner Berufswahl, dem Ingenieur geführt hat. Mit ein paar Klassenkameraden sind wir nach Aachen an die RWTH aufgebrochen, um dort unser Glück in Studium zu suchen.

Nach ein paar Jahren des Büffelns war das Diplom fertig und die Jobsuche stand an. Schon nach kurzer Zeit habe ich mich für die BASF entschieden. Also die Sachen gepackt und ab in den Süden. Gelandet bin ich in Ludwigshafen, einer "schönen" Stadt am Rhein, deren Existenz maßgeblich von dem größten Arbeitgeber dem Chemieunternehmen BASF bestimmt wird... Hmm, das kommt mir irgendwie bekannt vor. Scheint wohl mein Schicksal zu sein. Nur der Abstand zum Wald machte mir zu schaffen.

Neue Heimat

Also flugs die Sachen gepackt und an den Rand des Pfälzer Waldes nach Bad Dürkheim gezogen. Ahh, hier lässt es sich schon besser leben :-). Die Umgebung ist durchsetzt von Vergangenheit, in alten Burgruinen kann man umherwandeln und den Geist der Vorfahren in sich aufsaugen. Dieses Gebiet wurde bereits von Kelten, Römern, Germanen (naja, die sind natürlich immer noch dort ;-) ) als lohnenswerter Lebensraum entdeckt und ich kann sie auch verstehen. So ist mir die Pfalz als Lebensraum ans Herzen gewachsen.

Auf Mittelaltermärkten kann man mich auch zuweilen finden, da die dort eingefangene Stimmung mich fasziniert. Der heutigen eiligen und hektischen Wegwerfgesellschaft mit ihrem Fokus auf Konsum und Wachstum entfliehe ich gerne ab und zu auf solchen mittelalterlichen Märkten. Die Ausrüstung und Acessories dafür fertige ich mit Freuden selber an, ist es doch immer wieder schön, das Wachsen und Werden von Werkstücken durch die eigenen Hände zu beobachten.