Messer schleifen. von Leonhard Ullrich

Schleifsteine

Zunächst die Links zu den verschiedenen Schleifsteinfeinheiten. Ob japanischer Wasserstein, europäischer hart gebundener Stein, Diamantplatten oder Natursteine, was das Richtige für Euch ist, erfahrt Ihr weiter unten.

  • Sehr grobe Schleifsteine sind für den Grundschliff und um größere Scharten und Ausbrüche in der Schneide raus zu schleifen.

  • Grobe Schleifsteine, auch geeignet für kleinere Scharten und Schneidkantenausbrüche.

  • Mittelfeine Schleifsteine, wenn man ersteinmal gut geschärfte Messer hat, beginnt man beim Schärfen oft mit diesen.

  • Mit diesen Steinen kann man die normale Gebrauchsschärfe, die man nach einem 1000'er Stein und dem Lederriemen mit Polierpaste erreicht noch ein wenig verbessern.

  • Für rostende Messer mit sehr feinkörnigen Stählen sind diese Steine als Abschlusskörnung sinnvoll. Nur wenige rostfreie Stähle (z.B. SB1, AEB-L, pulvermetallurgische Stähle) haben die Gefügefeinheit, um die Feinheit dieser Steins sinnvoll zur Geltung zu bringen.

  • Um das letzte aus seinen rostenden Rasiermessern rauskitzeln zu können, finden Sie hier die richtigen Steine. Es müssen schon extrem hochwertig gehärtete und feinkörnige Stähle sein, um diese Steinfeinheit richtig zur Geltung bringen zu können. Für rostfreie Stähle lohnen sich diese Steine nicht wirklich.

Welcher Schleifstein ist der richtige für mich?

Es gibt ihn nicht den perfekten Schleifstein, je nach Anwender, Erfahrung, Klingenstahl, Anspruch an die Schärfe, Zeitaufwand beim Schärfen und zu schneidendes Schnittgut mag ein anderer Schleifstein oder auch Schärfgerät ideal sein.

1) japanische (asiatische) Wassersteine (Bestenliste nur Wassersteine)

Diese Schleifsteine sind wie viele japanische Werkzeuge sehr durchdacht. Bei diesen Steinen wird das Schleifkorn durch eine weiche Bindung zusammengehalten. Dadurch brechen bei Benutzung die stumpfen Schleifkörner schnell aus der Bindung und der Stein schleift immer mit scharfen frischen Körnern. Vorteilhaft ist der große Abtrag bei feinem Schleifergebniss, der jedoch einem höherem Steinverschleiss gegenübersteht. Um den Stein dennoch eben zu halten, muss der Schleifstein öfters abgerichtet werden.

Die neueren keramischen japanischen Wassersteine haben eine etwas härtere Bindung, aber dazu passend auch ein härteres Schleifkorn. Der Abtrag ist ähnlich hoch wie bei den normalen japanischen Wassersteinen, jedoch ist der Verschleiss deutlich geringer. Allerdings sind diese Steine auch teurer als die normalen Wassersteine.
Alle japanischen Wassersteine werden vor dem Schleifen ca. 10 Minuten gewässert. Da die Steine normalerweise schlämmen, muss der Schleifabrieb ab und zu abgewaschen werden.

2) europäische Öl- und Wassersteine (Bestenliste nur europ. Steine)

Da relativ viele Schleifsteine in diese Kategorie gehören, sind auch die Eigenschaften variabel. Diese Steine sind relativ hart gebunden und nutzen sich deshalb auch nur wenig ab. Bei gleichem Schleifergebnis haben sie einen geringeren Abtrag als die japanischen Steine. Sie eignen sich damit gut für Schleiffälle, in denen der Stein stärker belastet wird, oder in denen eine ebene Schleiffläche von Nöten ist.

Als Schleifshilfsmittel dient Wasser oder dünnflüssiges Schleiföl (bei den Ölsteinen leistet Petroleum ebenfalls recht gute Dienste). Mit Ölen fühlt sich das Schleifen sanfter an, die Steine haben jedoch häufig einen höheren Abtrag als bei Benutzung mit Wasser. Hat man jedoch einmal einen Stein mit Öl benutzt, kann man ihn nicht mehr mit Wasser nutzen, da der Stein dann kein Wasser mehr aufnimmt.

3) keramische Schleifsteine

Keramische Schleifsteine haben den großen Vorteil, dass sie sehr formstabil sind. Daher eignen sich diese Steine ganz besonders für Schleifaufgaben, in denen Ebenheit oder Formstabilität wichtig ist (Hobelklingen, Schnitzmesser). Die Steine werden trocken geschliffen, der Abrieb von der Klinge kann mit einem Lappen, der eventuell mit Alkohol getränkt wird, entfernt werden. Wellenschliffmesser werden meist mit einem kleinen Schleifstein aus Keramik geschärft. Nachteilig ist der relativ hohe Preis, allerdings lohnt er sich angesichts der hohen Qualität. Beim Kauf muss man allerdings auf die Ebenheit des Steines achten, da das Abrichten der Steine nur noch mit Diamantschleifblöcken möglich ist. Die meisten Steine sind aus Aluminiumoxid.

4) diamantbeschichtete Schleifplatten

Diamant ist das härteste bekannte Material. Metallplatten, die damit beschichtet sind haben dadurch bedingt einen hohen Abtrag. Da eine gute Beschichtung recht teuer ist, werden auch viele kleine Schleifsteine angeboten, von denen ich allerdings nicht viel halte. Wichtig ist bei der Auswahl der Diamantmaterials, dass monokristalliner Diamant benutzt wird, er hält länger als polykristalliner Diamantstaub (ein solcher Schleifstein in 150 mm x 50 mm kostet ca. 60 bis 90 Euro).

Dieser Schleifstein wird trocken oder mit Wasser geschliffen, der Abtrag ist sehr gut, allerdings ist die erreichbare Feinheit des Schliffes nicht so gut. Beim Schleifen sollte vermieden werden, die Klinge zu fest auf den Stein aufzudrücken, da sonst Diamanten aus der Matrix brechen.

5) Natursteine (Bestenliste nur Natursteine)

Früher wurden viel mehr Natursteine zum Schleifen eingesetzt als heutzutage. In Europa gibt es den billigen Sandstein, dem man heute nur noch in der Form von runden Schleifsteinen für die großen Schleifmaschinen mit Handkurbel begegnet, wie sie auf manchem Bauernhof noch zu sehen sind. Dann gibt es noch den belgischen Brocken, der besonders für den Feinschliff eingesetzt wird. Aus Amerika stammt der Arkansas Stein der auch im Feinschliff seine Anwendung findet. Für gröbere Schleifaufgaben wurde der Washita Stein eingesetzt. Aus Japan stammen viele Schleifsteine, die in ihrem Verhalten der synthetischen japanischen Schleifsteinen gleichen, da sie auch relativ stark schlämmen.

Die heutigen synthetischen Schleifsteine haben in ihrer Qualität die Natursteine überholt. Heute sind, wenn überhaupt noch, nur für den Feinschliff Natursteine sinnvoll einzusetzen. Da billigere Natursteine häufig Einschlüsse, Bruchstellen und andere Fehler haben, sind in dieser Preiskategorie die synthetischen Steine vorzuziehen.
Manche Natursteine werden in unhandlicher Form angeboten, nur eine Seite ist plan geschliffen, die anderen Seiten haben noch die Bruchstückform der Steinbruchfertigung. Um den Stein dennoch vernünftig handhaben zu können, empfiehlt es sich, ihn mit Hilfe von Heisskleber auf einem Holzstück zu befestigen. Wenn man vorher eine der Steinunterseite entsprechende Aushöhlung in das Holzstück stemmt, besteht auch keine Gefahr, dass der Stein zu leicht bricht.