Messer schleifen. von Leonhard Ullrich

Recurve / Schälmesser

Klingen mit Innenkurven lassen sich nicht so recht auf flachen Steinen schärfen. Wie bekommt Ihr diese trotzdem scharf?

Recurveklinge bei Becker Brute BK9

Was sind Recurveklingen?

Recurveklingen sind Klingen mit nach innen gebogener Schneide. Im Outdoorbereich werden sie eingesetzt, um beim Zertrennen von Seilen das Seil eher zum Mittelpunkt der Schneide zu führen, damit es auch sicher durchtrennt werden kann und nicht über die Klingenspitze hinweg rutscht. In der Küche findet Ihr solche Messer als Schälmesser für Kartoffeln.

Warum funktionieren flache Schleifsteine hier nicht?

Durch den Innenbogen der Schneidkante liegt das Recurvemesser nur an zwei Punkten auf dem Schleifstein auf. Dabei wird der Stein an den Längskanten oftmals sehr stark belastet. Weich gebundene Steine, wie japanische Wassersteine, verrunden dabei an den Kanten. Hart gebundene Steine fressen sich mit Ihren Kanten in den Stahl und hinterlassen dort tiefere Riefen.

Womit schärfe ich eine Recurveklinge?

Um Recurveklingen richtig zu schärfen, benötigend Ihr ein Schleifmittel, dass nicht flach ist, bzw. wenn es flach ist nicht sehr breit ist und an den Längskanten der flachen Seiten abgerundet. Daher schärfe ich meine Recurveklingen mit V-Schärfern.

Auch wenn ich normalerweise den Spyderco SharpmakerSpyderco Sharpmaker bevorzuge, ist hierfür ist der Lansky Crock StickLansky Crock Stick BgB der ideale Partner. Er bietet zwei Schleifkörnungen, zwei Schleifwinkel und im Gegensatz zum Sharpmaker runde Schleifkörper. Mit dem Sharpmaker geht es aber auch, da Ihr ja auch an den abgerundeten Ecken der dreieckigen Schleifsteine schärfen könnt. Zum Endschliff gehe ich dann sogar auch auf die flachen Seiten der weissen Steine, die durch ihre harte Struktur Dabei kaum verschleissen und durch die abgerundeten Ecken dennoch keine Kerben in die Schneide machen.

Wie schärfe ich eine Recurveklinge?

Wie beim Schärfen von geraden Klingen an V-Schäfern wird auch hierbei das Messer an den Schleifstäben abwechselnd entlang geführt. Je nach Stumpfheit des Messers startet Ihr entweder mit den groben oder feinen Stäben. Bei bisher ungeschliffenen Messern empfiehlt es sich unbedingt mit den groben Steinen zu beginnen, damit der Schneidenwinkel an den Schärfwinkel des V-Schärfers angepasst wird, bei Küchenmessern wähle ich den kleineren Winkel, bei Outdoormessern den größeren Winkel des V-Schärfers (außer beim Sharpmaker, hier auch den kleineren Winkel und nur zum Reduzieren des Grates vor dem Abziehen auf dem Lederriem den größeren Winkel.

Da durch das abwechselnde Entlangfahren an den Steinen die Gratbildung nicht so gut zu beobachten ist, überprüfe ich die Schärfe mit der Daumenprobe auf der gesamten Schneidenlänge immer wieder zwischendurch.

Wenn Ihr an Hand der Daumenprobe merkt, dass die Schärfe durchgehend ist, seid Ihr auf den groben Stäben fertig und wechselt auf die feinen Stäbe und schleift die Klinge weiter im gleichen Winkel. Da der Schneidenwinkel bereits durch die groben Stäbe in Ordnung gebracht wurde, braucht Ihr hierfür nur ein paar Züge, erst mit etwas mehr Druck, gegen Ende aber mit immer weniger Druck, um den Grat zu reduzieren. Dann seid Ihr auf dem V-Schärfer fertig und es geht ans Entfernen des Grates.

Dazu legt Ihr Euren Lederriemen mit PolierpasteLederriemen mit Polierpaste BgB2 (hierfür muss der Lederriemen flexibel sein und darf nicht auf ein Holzstück geklebt sein) längs auf die Tischkante, so dass etwas weniger als die Hälfte über die Tischkante hinausragt. Beim Abziehen verformt sich der Lederriemen und passt sich der Rundung des Recurvemessers an. Darauf ziehe ich dann die Klinge ab und entferne so die letzten Gratreste. Alternativ könnt Ihr auch einen Lederriemen auf eine gewölbte Oberfläche kleben, wie einen Besen- oder Schaufelstiel und darauf Euer Recurvemesser abziehen.

Wie oft müsst Ihr Recurvemesser nachschärfen?

Da Ihr Recurveklingen nicht auf groben Banksteinen schleifen könnt, mit denen Ihr auch mal etwas mehr Material abtragen könntet, sondern mit den recht langsam abtragenden V-Schärfern, solltet Ihr bei den Küchenmessern das Abstumpfen mit Wetzstählen hinauszuzögern. Bei Outdoormessern schärfe ich etwas häufiger auf den V-Schärfern nach als bei geraden Schneiden.

Wichtig ist, dass Ihr die Klinge gar nicht erst so stumpf werden lasst, dass richtig grobe Steine als Einstiegskörnung notwendig wären.