Messer schleifen. von Leonhard Ullrich

5. Grat entfernen

Mit Lederriemen und Polierpaste dem Grat zu Leibe rücken.

Lederriemen mit Polierpaste BgB2

Ich höre immer wieder, dass einige am Schärfen von Messern interessierte Menschen lange Zeit versuchen ohne Lederriemen und Polierpaste auszukommen, da überall erzählt wird, dass der nicht nötig sei. Dennoch erleben die meisten haben ein regelrechtes Aha Erlebnis, wenn sie nach dem Schleifen auf dem Schleifstein oder einem Schärfgerät einen Lederriemen mit guter Polierpaste ausprobieren.

Im folgenden Video habe ich die Wirksamkeit von Lederriemen und Polierpaste dargestellt.



Daher empfehle ich jedem, der beim Messerschärfen konstantere und bessere Ergebnisse erreichen will, die Verwendung eines Lederriemens mit guter Polierpaste. Das Reduzieren des Grates in Schritt 4 ist eine gute Vorarbeit, aber eben noch nicht ausreichend, um den Grat vollständig zu entfernen. Und genau dies müssen Sie durchführen, damit die Schärfe Ihrer Messer auch eine Weile anhält. Ziehen Sie das Messer nicht ab, so bleibt ein Restgrat stehen und klappt recht schnell beim Schneiden um und vermittelt das Gefühl einer stumpfen Klinge. Sie müssen also schneller wieder auf den Schleifstein zurück und so verschleisst das Messer auch schneller.

Nun aber zum eigentlich Entfernen des Grates. Hierzu reinige ich erneut das Messer, damit keine Schleifpartikel vom Schleifstein auf den Lederriemen gelangen. Wie ich den Lederriemen mit Polierpaste behandle, können Sie hier nachlesen.

Ihr nehmt den Lederriemen aus der Verpackung (wichtig, Lederriemen nie ohne Tüte oder ähnliches wegpacken, damit keine gröberen Partikel vom Schleifstein auf ihn gelangen die das Abziehergebnis negativ beeinflussen) geholt und legt ihn so an die Tischkante vor Euch hin, dass Ihr beide Klingenseiten ohne Umsetzen des Lederriemens gut abziehen könnt. Das ist wichtig, da Ihr beim Abziehen nach jedem Strich die Schleifrichtung ändert.

Das Messer setzt Ihr mit mittlerem Druck auf den Lederriemen auf und zieht es in einem Winkel leicht unterhalb des Schleifwinkels auf dem letzten Stein ab. Dadurch, dass der Lederriemen nachgiebiger als der Schleifstein ist, passt er sich der Schneidkante trotzdem an. Würden Sie das Messer im gleichen Winkel wie beim Schleifen ansetzen wird zwar auch der Grat entfernt, die Schneide verrundet aber etwas mehr an der Schneidkante. Dadurch wird sie stabiler aber auch etwas stumpfer.

Abwechselnd zieht Ihr die eine und die andere Messerseite entgegen der Schnittrichtung auf dem Lederriemen ab. Nicht zu viele Züge auf dem Lederriemen machen, da ansonsten die Mikrosäge, die nach dem Reduzieren des Grates noch vorhanden ist, wieder komplett entfernt wird und das Messer im Schnitt weniger bissig wird. Bei Rasiermessern und Holzbearbeitungsmessern könnt Ihr ruhig auch länger abziehen, da hier eine glatte Schneidkante förderlich ist. Achtet dabei bei jedem Abziehhub auch auf die Oberfläche des Leders. Sieht das Leder, nachdem die Schneide des Messers über es hinweg gefahren ist, verkratzt aus, so ist in dem Schneidenbereich, der die Kratzer hervorgerufen hat noch ein Restgrat vorhanden. Diesen Schneidenbereich ziehe ich dann mehrmals nacheinander ab, bis das Leder nach dem Abziehhub wieder glatt aussieht. Lässt sich der Bereich des Messers mit Restgrat der das Leder verkratzt auch nach 10 Abziehhüben nicht glätten, so gehe ich zurück zu Schritt 4 und reduziere nochmal den Grat mit leicht erhöhtem Schleifwinkel auf dem Schleifstein, um danach wieder auf das Leder zu gehen.

Hatten Ihr den Grat bereits sauber reduziert, sollten ca. 5 bis 10 Hübe pro Seite reichen, um den Restgrat zu entfernen. Habt Ihr alles richtig gemacht, so solltet Ihr Euch nach dem Schärfen die Unterarmhaare in beide Richtungen rasieren können. Klappt es nur in eine Richtung, so ist noch ein minimaler Restgrat vorhanden. Diesen entferne ich, indem ich das Messer durch ein kleines Stückchen Hartzholz, meinen Fingernagel, oder auch ein Schneidbrettchen mit etwas Druck ziehe und danach noch zwei- bis dreimal pro Seite über den Lederriemen gehe. Dann sollte das Rasieren in beide Richtungen funktionieren. Falls es immer noch nicht klappt, einfach nochmal das Messer durch das Holz ziehen und anschließend über den Lederriemen mit Polierpaste.

Unten seht Ihr zunächst ein Bild von einem Messer nach dem Reduzieren des Grates und dann ein Bild von einem Messer nach dem anschließenden Abziehen. Achten Sie vorne auf die Schneidkante. Der Lederriemen mit Polierpaste hat die Oberfläche des Messers direkt an der Schneidkante verfeinert.

Grat nach Feinschliff reduziertGrat nach Feinschliff und Lederriemen

Bei manchen Stählen ist der Grat einfach etwas widerspenstiger. Schafft Ihr es gar nicht den Grat zu entfernen, dann liegt es oftmals an der noch nicht ausreichenden Vorarbeit beim Reduzieren des Grates oder auch schonmal an der Polierpaste. Daher hier nochmal der Link zu der Bestenliste der Polierpasten.

Wie Ihr feststellen könnt, wie scharf Euer Messer jetzt geworden ist, habe ich in folgendem Video erklärt: